„Botschaft des Evangeliums weitertragen“

Walldürn. Die Wallfahrtsstadt war am “Großen Blutfeiertag” wieder Anziehungspunkt von vielen Gläubigen aus der Region und weit darüber hinaus. Die Predigt beim Pontifikalamt hielt Erzbischof Burger.

Der Geistliche wurde von zahlreichen Konzelebranten und Ministranten am Pfarrhaus abgeholt und in die voll besetzte Basilika geleitet. Und mit dabei waren auch Mitglieder des “Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem”. Der Hintergrund: Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger wurde vor zehn Tagen in Münster bei der Frühjahrsinvestitur in den “Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem” investiert. Die Investitur nahm der Großprior des Ritterordens Kardinal Marx aus München vor. Der “Große Blutfeiertag” in Walldürn war nach seiner Investitur sein erster großer öffentlicher Auftritt. Eine stattliche Anzahl von Damen und Rittern des “Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem” begrüßte ihn an diesem außergewöhnlichen Tag in Walldürn. Am Pontifikalamt und der Großen Blutprozession haben als Ordensmitglieder vier Geistliche, zwölf Damen und 20 Ritter teilgenommen.

Musikalisch umrahmt wurde das Pontifikalamt vom Kirchenchor unter der Leitung von Katrin Kirchgeßner mit der Filke-Messe. Nach dem Einzug in die Basilika begrüßte Stadtpfarrer und Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula, OFM conv., die zahlreichen Gläubigen in der Wallfahrtsbasilika. Darunter den Pfarrgemeinderat mit dem Vorsitzenden Wolfgang Eisenhauer und Mitglieder des Gemeinderates mit Bürgermeister Markus Günther an der Spitze, Landrat Dr. Achim Brötel, Vertreter des öffentlichen Lebens, die Kanzlerin der deutschen Statthalterei des Ritterordens, Ricarda Schulze-Dieckhoff, und die Mitglieder von über 15 Pilgergruppen.

“Höhepunkt der Wallfahrt”

Der Stadtpfarrer sagte in seiner Begrüßung, Papst Eugen IV. habe die ursprüngliche Kirche durch eine Ablassgewährung auf den Oktavtag von Fronleichnam ausgezeichnet. “Trotz aller Geschehnisse in der Vergangenheit wurde dieser Tag bis heute als örtlicher Feiertag und Höhepunkt der Wallfahrt beibehalten. Und es ist eine Freude zu sehen, wie viele Menschen ihn gemeinsam mit uns und insbesondere mit dem Erzbischof feiern möchten.”

Verbindung zu Walldürn

Erzbischof Burger erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass er seit seiner Zeit als Kaplan in Tauberbischofsheim eine besondere Verbindung zu Walldürn und der Gnadenstätte habe. “Jesus Christus ist es, der uns an der Gnadenstätte zusammenführt und Gemeinschaft stiftet.”

Nach den Lesungen aus dem Buch Exodus und dem Brief des Paulus an die Epheser durch Wolfgang Eisenhauer und der Verkündigung des Heiligen Evangeliums nach Johannes durch Diakon Friedhelm Bundschuh bezog sich Erzbischof Burger auf den Petrusbrief. “Ihr wisst, dass ihr losgekauft wurdet mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel”, heiße es da. “Es ist wie eine kurze und knappe Zusammenfassung dessen, was wir hier und heute mit dem Heilig-Blut-Feiertag begehen. Es ist die Botschaft, die uns zum Kern unseres Glaubens führt.” Dieses Fest lasse uns darüber nachdenken, was es bedeutet Christ zu sein, an Jesus Christus zu glauben. Dieses Fest führe bewusst vor Augen, was es heißt, dass Gott Barmherzigkeit will und keine Opfer, wie es im Leitwort der Wallfahrt heiße.

“Gerade in der heutigen, schnelllebigen Zeit brauche es solche Feste, brauche es ein sicheres Fundament, einen festen Halt, der uns Hoffnung schenkt trotz aller Probleme. Es braucht eine Vergewisserung, die uns Mut macht in all den Herausforderungen. Dieser Mut und diese Hoffnung sprechen aus dem ersten Petrusbrief.”

Christus habe sein Leben für uns hingegeben, damit wir leben können. Hier zeige sich, welchen Wert der Mensch bei Gott hat. “Ist unsere Zivilisation bereit, diesen Wert, diese Barmherzigkeit auch anderen uneingeschränkt zuzubilligen?”, so der Erzbischof weiter. Hier biete der Glauben Hilfe und Halt. Werde aber die Verbindung zu Gott und das Gespräch mit ihm gestört, werde unser Glauben schwächer, dann schwinde auch das Bewusstsein für das, was uns fehle. “Dann schwindet das Bewusstsein, selbst Barmherzigkeit zu üben.”

“Vergesst Gott nicht, vergesst nicht die Liebe Jesu Christ. Das ist die Botschaft dieses Heilig-Blut-Festes.” Das sei die Botschaft der Kirche und jedes Christen. “Denn ein jeder von uns kann gegen die Gottvergessenheit unserer Tage etwas tun. Wir können uns einsetzen für die von Gott geschenkte Würde eines jeden Menschen, in all seinen Lebensphasen, unabhängig von Sprache, Nationalität, Hautfarbe und Weltanschauung.” Das Heilige Blut erinnere an unseren christlichen Auftrag, an die Sendung jedes einzelnen von uns, “nämlich die Botschaft des Evangeliums weiter zu tragen, so für andere da zu sein, wie Jesus dies vorgelebt hat”.

Lebensstil überdenken

“Das heißt dann auch, unseren Lebensstil zu überdenken. Achtsam mit der Schöpfung und all dem, was wir zum Leben brauchen, umzugehen.” Und dieses Überdenken heiße auch, uns gegen Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile einzusetzen. Dem Schutz des menschlichen Lebens allen Einsatz zu widmen. Unser Denken und Handeln von der Liebe Jesu Christi durchdringen zu lassen.

“Dies geschieht in besonderer Weise in der Feier der Eucharistie. Hier haben wir Anteil am Lebensstrom, der aus der Seite des Gekreuzigten fließt. Aus der geöffneten Seite Jesu entspringt dieser wahre Lebensstrom, der niemals versiegt. Er ist die Kraftquelle für alle, die die frohe Botschaft verkünden und leben.” Nach dem Pontifikalamt zog eine große Prozession durch die geschmückte Innenstadt.

© Fränkische Nachrichten, Freitag, 03.06.2016