Erste Pilgergruppen sagen ihre Prozessionen ab

Organisatoren aus Köln und Taunus streichen Wallfahrten zum heiligen Blut aufgrund der Pandemie – Gläubige aus Fulda und Eichsfeld pilgern in Kleingruppen

Walldürn. (jam) “Wir können in der Woche nach Pfingsten keine Wallfahrt mit den uns auferlegten Veranstalterpflichten in der gewohnten Form durchführen”, teilen Diedrich Frielinghaus und Stefan Beßlich mit. Die beiden Organisatoren der Kölner Fußwallfahrt sehen sich aufgrund der Corona-Pandemie nicht in der Lage, die unterschiedlichen Regelungen von fünf unterschiedlichen Bundesländern und dazu noch mögliche Anpassungen der Corona-Schutzverordnungen umzusetzen. Deshalb haben sie – schweren Herzens und bereits zum zweiten Mal in Folge – die Fußwallfahrt von Köln nach Walldürn gestrichen. Ebenso steht bereits fest, dass die Taunusprozession aus Südhessen ausfällt. Dies bestätigte Pilgerführer Reinhold Hofmann der RNZ. Verhalten optimistisch zeigen sich dagegen die Verantwortlichen der Fulda-Eichsfeld-Fußwallfahrt.

“Alles umzusetzen, wird uns vollkommen unmöglich sein”

Doch auch in Köln plant man trotz der Absage der Pilgerfahrt bereits für die Zeit um Pfingsten. “Unsere Wallfahrtswoche werden wir – wie im vergangenen Jahr – in digitaler Form gestalten und so mit Euch im Gebet verbunden sein”, teilen der erste Brudermeister Stefan Beßlich aus Porz-Urbach und Diedrich Frielinghaus aus Porz, beide Mitglied im Vorstand der “Bruderschaft vom kostbaren Blute Jesu Christi”, mit. Welche Alternativen sich im weiteren Verlauf des Jahres auftun, hänge von der Entwicklung der nächsten Monate ab, sind sie sich einig. Die Kölner Wallfahrtsleitung will die Situation in den kommenden Wochen aufmerksam beobachten und Ende Februar über das weitere Vorgehen beraten.

Die Verantwortlichen aus Köln sagen die Fußwallfahrt damit bereits ab, bevor der Walldürner Wallfahrtausschuss abschließend verkündet hat, wie genau die Hauptwallfahrtszeit vom 30. Mai bis 27. Juni vonstatten gehen soll. Warum sie einer Entscheidung aus der Wallfahrtsstadt vorgreifen, erklären Beßlich und Frielinghaus detailliert: Sie gehen davon aus, dass bis zum Start der Wallfahrt rund um Pfingsten nur ein Teil der Bevölkerung geimpft sein werde. “Das hat zur Folge, dass wir auf unserem Wallfahrtsweg die Corona-Schutzverordnungen von fünf Bundesländern beachten und gegebenenfalls individuell umsetzen müssen.” Betroffen davon wären nicht nur das Pilgern selbst, sondern auch die Gottesdienste unterwegs, die gemeinsamen Mahlzeiten, die Bustransfers, der Transport mit Begleitbussen, die Getränkeausgabe und der Sanitätsdienst.

“Hinzu kommt eine mögliche Begrenzung der Teilnehmerzahl sowie die daraus notwendige Entscheidung, wer an welchem Tag mitpilgern dürfte und wer nicht”, erklären Frielinghaus und Beßlich. Selbst wenn sich diese Auswahl täglich ohne Unmut unter den Teilnehmern treffen ließe, stellt der Grenzübertritt von einem Bundesland zum anderen die Wallfahrtsleiter vor ein neues Problem: “Es ist nicht auszuschließen, dass die maximale Pilgeranzahl von Bundesland zu Bundesland und damit auch während eines Wallfahrtstags variiert.”

Aktuell geht die Kölner Wallfahrtsleitung davon aus, dass die Regierungen ohnehin erst nach Ostern mögliche Planungsvorgaben für eine Wallfahrt rund um Pfingsten vorlegen. Das ist zum einen sehr spät, um alle Auflagen in der aufwendigen Planung für die rund 270 Kilometer lange Fußwallfahrt zu berücksichtigen, zum anderen sind diese Regelungen vermutlich nicht in Stein gemeißelt: “Wie verlässlich diese Corona-Schutzverordnung sieben Wochen vor Pfingsten dann sein wird, ist auch vor dem Hintergrund der Auswirkungen der verschiedenen Virusmutationen nicht absehbar”, erklären Beßlich und Frielinghaus. Ihr Fazit: “Dies alles in den Planungen ab Ostern zu berücksichtigen und dann innerhalb der Wallfahrtswoche umzusetzen und durchzusetzen, wird uns als Wallfahrtsleitung vollkommen unmöglich sein.”

Damit ist nach 2020 die erst zweite Absage der Köln-Wallfahrt in ihrer langen Geschichte besiegelt. Seit 1648 machen sich Menschen aus dem Raum Köln und insbesondere aus Porz-Urbach auf den langen Weg nach Walldürn. Ihre siebentägige Pilgerreise starten sie für gewöhnlich zur Pfingstzeit. Die Route führt sie aus der Kölner Bucht über die Höhen des Westerwalds nach Limburg an der Lahn, weiter durch den Goldenen Grund und über den Taunus an den bayerischen Untermain und von dort auf alten Pilgerwegen nach Walldürn. Tägliche Gottesdienste, Andachten und Phasen der Stille während des Laufens sollen den Teilnehmern dabei eigentlich einen Ausgleich und Abstand zum oftmals hektischen Alltagsleben ermöglichen. Mit etwa 650 bis 700 Teilnehmern galt die Kölner Fußwallfahrt zuletzt als zweitgrößte Pilgergruppe, die das “kostbare Blut” in Walldürn verehrt.

“750 Menschen können einfach nicht in dieser Masse wallen”

Etwas größer ist nur noch die Fußwallfahrt aus Fulda und Eichsfeld. Diese soll nach aktuellem Stand stattfinden – wenn auch in abgewandelter Form. “Unser Einkehrtag Ende Februar fällt zwar aus, aber für unsere Wallfahrt planen wir noch”, erklärt Winfried Möller, der Sprecher der Fuldaer Wallfahrtsleitung. Man wolle einer möglichen generellen Absage der Walldürner Wallfahrt nicht vorgreifen. Man warte gespannt, welche Angebote der Walldürner Wallfahrtsausschuss für die Hauptwallfahrtszeit vorsieht. Obwohl diese Entscheidung noch aussteht, haben Möller und seine Kollegen in der Wallfahrtsleitung bereits erste Konsequenzen für die Fulda-Wallfahrt gezogen: Sie beabsichtigen, sich in Kleingruppen mit zehn bis 40 Pilgern auf den Weg zu machen. Denn: “750 bis 800 Menschen können einfach nicht in dieser Masse wallen”, erklärt Möller. Um zum Blutaltar in Walldürn zu gelangen, müssen die Pilger aus Fulda und Eichsfeld mindestens drei Bundesländer durchqueren.

Auf ihrem Weg in die Wallfahrtsstadt, für den manche Prozessionsteilnehmer bis zu zehn Tage benötigen, sind die Teilnehmer darüber hinaus auf die Gastfreundlichkeit entlang der Route angewiesen. “Wir können aber nicht voraussetzen, dass die Unterbringung bei den oft älteren Gastgebern während einer Pandemie genauso funktioniert wie noch vor 2020”, warnt Winfried Möller. Damit während der mehrtägigen Wallfahrt niemand unvermittelt ohne Schlafplatz dasteht, gilt diesmal: “Wer mitlaufen möchte, muss wissen, wo er übernachten kann.”

 

(c) RNZ.de Janek Mayer  Link zum Artikel : https://www.rnz.de/nachrichten/buchen_artikel,-wallduern-erste-pilgergruppen-sagen-ihre-prozessionen-ab-_arid,620656.html