Gott bietet seine Liebe jedem an

– 13.06.2017 –  Öffnung des Blutschreins durch Generalvikar Dr. Axel Mehlmann aus Freiburg /Stadtpfarrer Pater Josef erläutert Leitwort

Geöffnet wurde der Blutschrein durch Generalvikar Dr. Axel Mehlmann aus Freiburg. Er wurde in der voll besetzten Wallfahrtsbasilika durch Stadtpfarrer und Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula, OFM conv., ebenso begrüßt wie die Bundestagsabgeordneten Dr. Dorothee Schlegel, Margaret Horb und Alois Gerig, Landrat Dr. Achim Brötel, Mitglieder des Pfarrgemeinderats mit der stellvertretenden Vorsitzenden Eva-Maria Kötter und des Gemeinderates mit dem Bürgermeister-Stellvertreter Herbert Kilian. Musikalisch umrahmt wurde das Hochamt durch den Kirchenchor und den Männergesangverein unter der Leitung der Kirchenmusikerin Katrin Kirchgeßner mit der Messe brève C-Dur Nr. 7 von Charles Gounod.
Öffnung des Hl. Blutschreins durch Generalvikar Dr. Mehlmann, FR

Pater Josef ging bei seiner Begrüßung auf das Leitwort der Wallfahrt ein. „Alle sollen eins sein“, dieses Zitat stammt aus dem Johannesevangelium. Das lange Gebet Jesu an Gott, den er Vater nennt, enthalte all seine Anliegen, sozusagen seine letzten Wünsche auf Erden. Und unter allen diesen Bitten rage die eine besonders hervor: „Alle sollen eins sein!“

Uneinigkeit sei eine arge Wunde, man erlebe dies zur Zeit schmerzlich in Europa. Aber habe Jesus für diese Art von Einheit gebetet? Er habe nicht ein weltliches Reich errichten wollen. Er bete um die Einheit derer, die an ihn glauben. „Alle sollen eins sein“ – das war und ist das Leitwort der Einigung aller Christen, der sogenannten ökumenischen Bewegung. Die Christen seien einander nähergekommen, aber immer noch nicht „vollendet in der Einheit“, so der Stadtpfarrer weiter.

Am Gnadenort anregen lassen

Man sage, Einheit mache stark. Das stimme. Aber nicht jede Einheit sei gut. Eine Räuberbande sei sich auch einig in ihren Absichten. Familien könnten einig sein in ihrem Egoismus, ihrem Stolz. Länder könnten einig sein in der Feindschaft gegen andere. All dies sei sicher nicht die Einheit, um die Jesus den Vater gebeten habe. „Die Einheit, die Jesus für uns alle erbeten hat, ist die des Verzeihens und der Liebe. Nur sie ist glaubwürdig und haltbar!“ Ein jeder möge sich hier an diesem Gnadenort anregen lassen von der Liebe Gottes, „dass sie uns zu großherzigen Menschen mache, die den Mitmenschen auch Fehler verzeihen könnten, damit wir im Sinne Jesu Christi alle eins werden“.

Nach den Lesungen aus Exodus und dem 2. Brief des Apostels an die Korinther durch Herbert Kilian und der Verkündigung des Evangeliums nach Johannes ging Generalvikar Dr. Mehlmann auf die beliebteste Bibelstelle ein. Eine Untersuchung habe ergeben, dass diese aus dem Johannesevangelium stamme. „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“

Diese Worte Jesu seien das beliebteste Schriftzitat aus der Bibel. „Dies ist in der Tat das Schlüsselwort des Johannesevangeliums und der Johannesbriefe, die Zusammenfassung der frohen Botschaft: Wir sind erlöste Menschen.“ Gott liebe jeden Menschen. Dabei komme es nicht darauf an, ob jemand Christ oder Heide, evangelisch oder katholisch sei, denn Gott wolle das Heil aller Menschen, wären sie auch noch so große Sünder. „Gott bietet seine Liebe jedem an. Mit Liebe und Erbarmen geht Gott auf jede und jeden von uns zu. Sein Ziel heißt Rettung, nicht Verderben und Gericht.“

So sei die Heilszusage Jesu Grund zu Dankbarkeit und Freude, denn Gott wolle die Welt retten und niemanden von der Erlösung ausschließen. Es sei denn, er gebe der göttlichen Liebe keinen Kredit und vertraue ihr nicht, „dann hätte er sich selbst gerichtet“. Unglaube sei in der Sicht des Evangeliums ein Akt der Selbstverurteilung.

„Gott ist Liebe“ – dies sei die kürzeste und schönste Predigt, die es gebe und sie enthalte das Gottesbild und das daraus folgende Menschenbild: „Christ ist, wer die Liebe, die Gott zum Menschen und zur Welt hat, erkennt und dieser Liebe glaubt.“ Diese Liebe erfahre man in sakramentaler Dichte in der heiligen Kommunion. Die Liebe des dreifaltigen Gottes und die heilige Kommunion seien das christliche Lebens- und Nervenzentrum und gehören untrennbar zusammen. „Dieses zentrale Geheimnis unseres Glaubens stellt uns das in Walldürn verehrte Korporale bildlich und zeichenhaft vor Augen. Das Wunder, um das es im Tiefsten bei der Walldürner Wallfahrt geht, ist das Wunder der dreifaltigen Liebe Gottes und ihrer realen Präsenz in den eucharistischen Gaben von Brot und Wein.“

Herzenswunsch Jesu

Die Einheit der Seinen sei ein Herzenswunsch Jesu gewesen, den er in der Stunde des Abschieds, beim letzten Abendmahl geäußert habe. Jesu Wunsch verpflichte alle Christen zum gemeinsamen Zeugnis, damit die Welt glaube.

Katholisch sein heiße darum ökumenisch sein. „Wir dürfen uns mit der Spaltung und Entfremdung der Christen untereinander nicht abfinden“, habe Papst Franziskus gemahnt. Und er habe das Rezept gegeben: „Die theologisch schwierigen Fragen den Experten überlassen und im gemeinsamen Beten und Handeln erfüllen wir miteinander Gottes Willen.“

„Frucht der Erlösung“

Die besondere Verehrung des Leibes und Blutes Christi in Walldürn gelte dem Zentrum des Glaubens, dem Geheimnis der Erlösung. „Dieses Geheimnis verehren heißt keineswegs, eine Sonderfrömmigkeit zu pflegen. Wir verehren den Leib und das Blut Christi, weil uns in der Gemeinschaft mit der Liebe des dreieinen Gottes die Frucht der Erlösung zuteilwird, die uns von Sünde und Schuld reinigt und zu neuen Menschen wandelt.“

Impressionen zur Öffnung des Blutschreins finden Sie hier